Kolosser 3,12-13 Werde, was du bist!

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Einleitung
Stell dir mal vor, du wirst heute nach dem Unterricht angerufen und dir wird gesagt, dass du eigentlich ein Adeliger bist. Die Leute am Telefon sagen dir, dass du ab jetzt ein neues Leben beginnen wirst und das Erbe deiner Vorfahren antreten darfst. Du darfst in ein gigantisches Anwesen einziehen mit Butlern und allem was du dir denken kannst. Die Zahlen auf deinem Konto sind aufeinmal nicht mehr im Minus, so wie es sich für einen Bibelschüler gehört, sondern es steht endlich mal ein Plus vor deinem Kontostand. Aber das bedeutet auch, dass du als Adeliger neue Pflichten hast und Manieren zeigen musst.
Bist du ein Adeliger? Ja. Benimmst du dich dann automatisch wie ein Adeliger? Nein. In diesen neuen Dingen musst dich bewusst üben und sie lernen.
Und genauso ist es auch bei uns Christen.
Das heutige Predigtthema über das wir reden möchten heißt

Werde, was du bist! (Kolosser 3,12-13)

Lasst uns gemeinsam einmal den Text aufschlagen und zusammen lesen.

12 So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut;

13 ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr.

3 Punkte habe ich aus dem heutigen Predigttext herauslesen können, über die ich heute mit euch sprechen möchte:

1. Ziehe an, was zu dir passt! (V. 12)

2. Ertrage die Schwächen deiner Geschwister! (V. 13a)

3. Vergib, wie Christus dir vergeben hat! (V. 13b-d)

1. Ziehe an, was zu dir passt! (V. 12)

Vers 12 beginnt mit einem “So.” und bedeutet im Griechischen soviel wie “folgernd auf das Vorhergesagte”, deshalb ist es wichig, dass wir uns kurz mal anschauen was Paulus vorher schreibt, um zu verstehen worauf er sich bezieht.
In Kapitel 3 fängt Paulus in Vers 1-4 damit an den Kolossern aufzuzeigen, dass sie jetzt durch Christus in einer neuen Stellung leben. Sie sind mit Christus gestorben und wurden mit ihm auch wieder auferweckt. Und weil sie durch Christus der Welt gestorben sind, sollen sie sich jetzt nach oben ausrichten, auf Christus und die Ewigkeit.
Er fährt fort ihnen zu sagen, dass sie genau deswegen jetzt aktiv die Leidenschaften in ihrem sündigen Leib, in dem sie noch sind, abtöten und ablegen sollen, wie Lukas uns letztes Mal gut erklärt hat.
Paulus drückt es so aus:

9 Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen

10 und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis, nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat;

Paulus will uns klar machen: Leute, ihr seid komplett neu gemacht. Ihr seid jetzt in Christus neue Menschen, die in einer viel höheren Stellung leben als zuvor.
Deswegen fängt er auch in Vers 12 damit an, indem er den Kolossern wieder ihre neue Stellung in Christus vor Augen führt:

12 So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut;

13 ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr.

Ihr seid in dieser neuen Stellung, ihr seid auserwählt, ihr seid heilig, ihr seid geliebt. Jetzt lebt auch so! Du bist jetzt ein Adliger, also verhalte dich auch wie ein Adliger!
Auserwählte, weil Gott wie es in Eph 1,4 heißt, vor Grundlegung der Welt auf dich und auf mich geblickt und gesagt hat, den will ich. Er soll mein Kind sein. Das Blut meines heiligen Sohnes soll seine Sünden reinwaschen.
Heilig, weil Gott uns in dieser Welt voller Gottlosigkeit und Finsternis für ihn ausgesondert hat, um ihm in dieser Welt zu dienen und ihn zu verherrlichen.
Geliebte, weil der Schöpfer des Universums, der über alle Maßen heilig, herrlich und unnahbar ist, uns bedingungslos liebt. Und nicht nur das, er hat uns geliebt, als wir noch seine Feinde und Sünder waren, wie Paulus in Römer 5 erwähnt. Er hat uns so sehr geliebt, dass er Mensch wurde und auf dieser dreckigen Welt für uns sein Leben gab, um uns von unserer Sklaverei der Sünde zu befreien.
Was für eine Stellung. Wir sind nicht irgendwelche Auserwählten, Heilige oder Geliebte. Nein, wir sind Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte. Nicht von irgendwem. Was für eine großartige Stellung, die uns geschenkt wurde. Wir haben sie noch nichtmal verdient, wie sollten wir nicht in ihr leben.
Jetzt, da euch Gott diese Stellung geschenkt hat. Lebt in dieser Stellung.
Wie Lukas letztes mal schon erwähnt hat gebietet uns Paulus in Kol 3,8 5 Dinge abzulegen und jetzt in Kol 3,12 gebietet er uns 5 Dinge anzuziehen.
Illustration:
Stellt euch mal vor ihr seid Botschafter für Deutschland in den USA. Und ihr bekommt dort eine Einladung von Präsident Biden. Aktuelles Thema. Und ihr kreuzt bei diesem Treffen auf mit einer Jogginghose und einem lapprigen Adidas T-Shirt. Das geht nicht. Du bist in deiner Stellung ein Botschafter für die Bundesrepublik Deutschland. Du bist ein Repräsentant für deine Nation. Und genauso können Christen, die in ihrer Stellung ein neuer Mensch geworden sind, nicht mit ihren alten Klamotten d.h. mit ihren alten Gewohnheiten leben. Sie müssen die neue Lebensweise anziehen! Sie müssen sich ordentlich kleiden!
Sie sollen sich kleiden in:
herzlichen Erbarmen: Kann man auch mit Barmherzigkeit übersetzen. Barmherzigkeit ist eine Übertragung aus dem lat. misericordia und bedeutet: Von Herzen sich dem Armen zuwenden, sich seiner erbarmen. Tief empfundenes Mitgefühl. Solidarisiert sich mit Leiden und Not.
Gottes Barmherzigkeit beschreibt die Güte Gottes gegen solche, die in Elend, Not und Sorge sind. Sein Mitleid mit den verlorenen Sündern, denen er sich in Jesus Christus zugewandt hat.
Freundlichkeit: Güte, die sich in Warmherzigkeit und Rücksichtsnahme auszeichnet.
Demut: Bescheidene Selbsteinschätzung. Den anderen höher sehen als sich selbst. Nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern anderen dienen. Sich zu gunsten des Anderen zurücknehmen. Jesus das Vorbild der Demut, der in selbstvergessener Liebe allen zu dienen bereit war und sich selbst hingegeben hat. Wenn der Gott des Universum sich demütigt für die anderen, wer bist du eigentlich, dass du nicht bereit bist dafür?
Sanftmut: Ein Handeln das sanft, mild und ausgeglichen ist. Ein Christ soll sanft mit den Geschwistern umgehen, nicht hart und lieblos oder verbittert.
Langmut: Auf Gott wird es bezogen, wenn er seinen Zorn zurückhält und mit den Sündern langmütig ist. Gott ist uns gegenüber geduldig, also sollen auch wir als Christen geduldig sein. Selbstbeherrschung, Ruhe und Festigkeit angesichts von Provokationen oder wenn die Makel unserer Geschwister uns nerven. Wir sollen ihnen gegenüber langmütig sein.
Und eigentlich können wir Vers 12 zusammenfassen mit “Ziehe den Herrn Jesus Christus” an. Genau das sagt Paulus in Römer 13,14:

14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden!

Denn in all diesen Dingen war Jesus das große Vorbild. Er hatte herzliches Erbarmen mit uns, tiefes Mitleid über unsere Verlorenheit und die Verlorenheit seines Volkes.
Er war warmherzig mit uns Sündern und reichte uns freundlich seine rettende Hand
Er hat Demut praktiziert, indem er seinen Jüngern gedient hat und als Mensch auf diese Erde gekommen ist.
Er war trotz unsere Sünde mit uns sanftmütig, nicht hart, lieblos oder verbittert, sondern liebevoll.
Er war und ist langmütig mit uns und unseren Versagen. Mit unseren Makel und unseren Sünden. Er hat seinen Zorn zurückgehalten, obwohl er jedes Recht dazu hatte ihn über uns auszugießen und uns für eine Ewigkeit in die Hölle zu verbannen. Aber er hatte Geduld mit uns. Er bot uns geduldig seine vergebende Hand an.
Anwendung: Übe dich in diesen Dingen. Überlege, in welchen Situationen du praktisch diese Dinge einüben kannst. Sie bewusst "anziehen" kannst.
Barmherzigkeit: Geh z.B. die Leute in deiner Gemeinde durch und überleg wer momentan in einer Krise, in einer Leidenszeit steckt. Erbarm dich über diese Person als Bruder. Steh ihr bei, geh für sie einkaufen oder sonst was. Erbarme dich einfach über ihre Lage und sei eine Stütze, sowie Gott sich über dich erbarmt hat in deiner Verlorenheit. Sei kein unbarmherziger Pharisäer, sondern ein barmherziger Samariter.
Demut: Lerne 1Kor 4,7 auswendig und rufe dir das in den Kopf, wenn du merkst, dass du dich über Geschwister erhebst oder auf andere herabschaust.

7 Denn wer gibt dir den Vorzug? Und was besitzt du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich, als ob du es nicht empfangen hättest?

Erinnere dich, dass alles was du kannst oder was du hast, hast du empfangen. Dir gebührt dafür kein Stück Ehre und du kannst kein Stück stolz darauf sein oder dich über irgendwen erheben.
V. 13:

2. Ertrage die Makel der Geschwister! (V. 13a)

Ertragt einander.
Ich glaube, dass diese 2 Imperative die jetzt folgen von Paulus eine Folge von V. 12 sind. Wer diese Eigenschaften aktiv anzieht und eigentlich dem Vorbild Christi folgt, der erträgt seine Geschwister und vergibt gerne. Und Paulus ermahnt uns dazu, dies zu tun.
Er sagt ertragt einander und das bedeutet, dass wir unsere Geschwister mit all ihren Makeln und ihren nervigen Eigenschaften annehmen sollen, im Sinne von Zulassen. Wir sollen ihre schräge Art, wie wir sie empfinden, zulassen und in Liebe annehmen.
Wir sollen sie nicht verurteilen, nur weil sie noch nie so weit sind wie wir. Wir sollten uns erinnern, dass wir selbst in diesen Dingen noch nicht perfekt sind und unsere Makel haben. Und selbst wenn wir uns für weit halten, wir alle sind noch lange nicht so weit wie Christus.
Ertrage die Geschwister, die noch nicht richtig gelernt haben wie ein Adeliger das Besteck zu benutzen oder die als Botschafter noch den Knopf des Anzuges offen stehen haben, weil du weißt, dass auch du noch Fehler beim Anziehen machst und Gott auch deine Makel ertragen muss und sie dein lebenlang ertragen hat.
Zitat:
Hermann Bezzel, einer der Väter des Pietismus aus dem 19. Jhd., gibt uns eine ganz konkrete Hilfe, wenn er sagt:
“Nimm dir heute einen Menschen in deiner Umgebung, dem du ausgewichen bist, der dir schwer war, dessen Name dir schon Unbehagen erweckte, nimm ihn in dein Herz und Gebet. Am anderen Morgen erscheint dir dieser Mensch schon in ganz anderem Licht, und in den nächsten Wochen kannst du ihm freundlich begegnen, ihn freundlich ansehen, ihm die Hand reichen und ein freundliches Wort sagen. Er weiß nicht, warum du auf einmal dich so gegen ihn zeigst, dein Gott aber weiß es.”
Anwendung: Suche dir einen Bruder aus deiner Gemeinde/deinem Umfeld/in der Bibelschule raus , der für dich anstrengend erscheint und verbringe bewusst einen Tag mit dieser Person. Übe dich im Ertragen seiner "nervigen" Eigenschaften, im Bewusstsein, dass Christus auch dich und deine Sünde aus seiner Liebe heraus ertragen hat.

3. Vergib, wie Christus dir vergeben hat! (V. 13b-d)

Wir sollen aber nicht nur die Makel unserer Geschwister ertragen, sondern ihnen auch für ihr Fehlverhalten vergeben.
Wir sollen uns gegenseitig unter Geschwistern vergeben, wie Christus uns vergeben hat. Und sofort stellt sich mir die Frage, wie hat Christus mir eigentlich geben? Die Antwort ist: Grundlos. Er schenkte uns die Vergebung. Und nicht nur das, sondern er vergab uns über alle Maßen. Die Sünde war groß, aber seine Gnade und Vergebung war größer.
Wir sollten nicht zu Geschwistern kommen und sagen: Wenn er dies oder das tut, dann kann ich ihm vergeben. So ist Christus doch auch nicht mit dir umgegangen. Überleg mal, was Christus alles auf sich genommen hat, um dir zu vergeben. Um deine Schuld von dir wegzuwaschen. Er wurde Mensch, als Baby in einer stinkenden Krippe geboren und ließ sich von seiner eigenen Schöpfung erniedrigen und geißeln, bis er dann einen schmachvollen Tod am Kreuz in Kauf genommen hat, um dir zu vergeben. Was nimmst du auf dich, um deinen Geschwistern zu vergeben?
Wie oft hören wir die Klage: »Aber der hat angefangen …« Aber das ist doch genau die Situation, worin wir vergeben sollen. Wenn der andere nicht angefangen hätte, dann gäbe es keine Ursache, Vergebung zu praktizieren. Wenn wir derjenige sind, der angefangen hat, dann sollten wir hingehen und um Vergebung bitten. Wenn wir in der Vergebung leben werfen wir auch Geschwistern ihr Fehlverhalten nicht mehr vor, wenn es vergeben wurde. So wie Christus, der unsere Sünde in das tiefste Meer geworfen hat und nicht mehr an sie gedenkt.
Illustration:
Man sagt über Ludwig den 9. von Frankreich (13. Jhd.), dass als er mit 12 Jahren auf den Thron stieg sich verschiedene Adelsgeschlechter gegen ihn erhoben haben. Als Ludwig dann die Herrschaft übernahm, flüchteten verschiedene seiner Widersacher ins Ausland. Grund zu dieser Flucht war das Gerücht, der König habe eine Namensliste angefertigt haben soll, mit den Namen derer, die ihm die Krone streitig machen wollten. Hinter jedem dieser Namen habe er ein Kreuz gemacht. Das wurde so gedeutet, dass der König alle Männer, die auf der Liste standen, umbringen lassen wollte.
Als König Ludwig davon hörte, ließ er den Geflüchteten mitteilen, sie sollen ruhig nach Frankreich zurückkommen, es werde niemandem etwas Böses widerfahren.
Und die Kreuze hinter den Namen? Ludwig erklärte: “Das Kreuz bedeutet nicht den Tod meiner Feinde! Es soll mich allezeit an das Kreuz meines Erlösers erinnern und mich zur Vergebung bereitmachen!”
Wenn wir daran denken, was und wie Jesus uns vergeben hat, macht uns das selbst auch vergebungsbereit.
Anwendung:
Fällt dir eine Person ein, wenn du über Vergebung nachdenkst mit der du im Unfrieden bist? Geh hin und suche Frieden. Hast du angefangen, dann bitte um Vergebung. Hat die Person angefangen, dann geh hin und sag ihr, dass du ihr vergibst. Christus war sich nicht zu schade, dann solltest du dir auch nicht zu schade sein.
Schluss Zum Schluss möchte ich kurz nochmal die Gedanken über die wir gerade gesprochen haben zusammenfassen:
Das Predigtthema war: Werde, was du bist!
Paulus fordert uns auf, dass wir jetzt als neue Menschen in Christus dieser neuen Stellung gemäß leben und ausleben, was wir schon längst geworden sind.
Der 1. Punkt war: Ziehe an, was zu dir passt! (V. 12)
Paulus führt uns nochmal unsere neue Stellung und die Privilegien durch Christus vor Augen und fordert uns auf herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Langmut anzuziehen. Weil wir Christen sind, sollen wir auch so leben. Wir sind Botschafter und sollten uns auch so kleiden wie Botschafter.
Der 2. Punkt war Ertrage die Makel deiner Geschwister! (V. 13a). Nimm die Geschwister an und lass ihre “schräge” Art zu, weil auch deine Makel ertragen werden. Sei Nachsichtigkeit mit den Geschwistern, weil es Zeit braucht, bis sie gelernt haben als Adlige zu leben.
Der 3. und letzte Punkt Vergib, wie Christus dir vergeben hat! (13b-d).
Genauso wie Christus bereit war und vieles auf sich genommen hat zu vergeben, so sei auch du bereit deinen Geschwistern zu vergeben. Bewahre nicht die Fehler deiner Geschwister in deinem “Fehlertresor” auf, dass du sie ihnen irgendwann wieder vorwerfen kannst. Nein versenke sie im tiefsten Meer und gedenke nicht mehr daran.
Möge der Herr Jesus und dabei helfen ihn anzuziehen und in unserer großartigen Stellung zu leben. Amen.
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