Ringen mit Gott und Menschen
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· 89 viewsSo wie Jakob am Jabbok mit Gott gerungen und gesiegt hat, dürfen wir auch mit Gott und Menschen ringen und die Gewissheit haben, dass der Sieg bereits errungen ist.
Notes
Transcript
Einleitung
Einleitung
Es ist der 6. Apri 1893 in New Orleans. Die “Meisterschaft des Südens”, das Finale der Boxsaison. Es ist halb 10 abends und wir sehen in der einen Ecke Andy Bowen, 29 Jahre alt, sehr erfahren, bekannt für seine Klugheit und Stärke. Er kommt gebürtig aus New Orleans und dementsprechend sind sich die Zuschauer auch mit der Mehrheit einig, dass er den Sieg des heutigen Kampfes davontragen wird. In der anderen Ecke ist Jack Burke, auch bekannt als Texas Jack. Jack Burke ist 19 Jahre alt, noch sehr jung und noch nicht so erfahren im Boxring, aber vielleicht hilft ihm ja heute gerade seine Flinkheit und Schnelligkeit. Geboren ist er in Chicago, lebt aber in Galveston, Texas. Weshalb er auch seinen Spitznamen “Texas Jack” trägt. Die Arena bebt. Es befinden sich 8.500 Zuschauer in der Halle und alle sind heiß darauf zu sehen, wer das Preisgeld von 2.500 Dollar mit nach Hause nehmen wird. Der Boxkampf besteht aus Runden, bei dem jede Runde 3 Minuten andauert. Für den Sieg ist ein K.O. notwendig. Bowen und Burke bereiten sich auf den Kampf vor. Nach den “Broughton Rules” durften keine Schläge unter die Gürtellinie erfolgen und der am Boden liegende Gegner durfte nicht geschlagen werden. Dieser hatte dann 30 Sekunden zeit, um sich zu erholen oder der Kampf war beendet. Bowen und Burke bandagieren sich die Hände und ziehen die gepolsterten Handschuhe an. Sie sind aufgewärmt und kampfbereit.
Die ersten vierzehn Runden: Wir sehen ein hohes Tempo. Beide haben das Ziel eines schnellen K.O.-Siegen, was auch die Zuschauer erwarten. Doch keiner von beiden hat Vorteile und so geht der Kampf weiter.
51. Runde: Bowen fragt Burke, warum er nicht mehr so hart zuschlägt. Burkes Antwort: “Ich kann nicht, meine Hände sind hinüber”. Denn mittlerweile hatte er beidseitige Fingerknöchelbrüche.
89. Runde: Der Kampf dauert nun ca. 6 Stunden an. Aber KEINER gibt auf. Ein Reporter der Lokalzeitung “Daily Picayune” schreibt: “Über Bowen heißt es, er habe sich das Handgelenk gebrochen. Angesichts der Länge des Kampfes und der Uhrzeit halte ich es nicht ratsam, noch weiter über den Fight zu berichten oder auf das Ende zu warten.” Es fangen sich auch langsam an die Zuschauerreihen zu lichten, denn viele der Zuschauer sind hungrig und holen sich ihr Frühstück.
Es ist 4 Uhr 43 und die 110. Runde. Bowen und Burke kommen aus ihren Ecken nicht heraus und können nicht mehr. Sie sind am Ende. Doch niemand gibt auf.
Und so ist der Ringrichter John Duffy dazu gezwungen zur 111. Runde, nach einer Kampfzeit von 7 Stunden und 19 Minuten, den Kampf mit “No contest”, einem Untentschieden, abzubrechen.
Keiner der beiden Boxer gewinnt den Kampf. Keiner nimmt das Preisgeld mit nach Hause. Aber keiner hat aufgegeben.
Was ist es, das einen guten Kämpfer ausmacht? Ist es die Kraft, die Geschwindigkeit, die Flinkheit, die körperliche Ausdauer? Ist es nicht vielmehr die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen? Auch wenn man am Boden liegt, wieder aufzustehen und weiterzumachen, niemals aufzugeben.
Jakob am Jabbok
Jakob am Jabbok
Eine ähnliche Begebenheit finden wir auch in der Bibel - in 1. Mose 32, 23-33
Und er stand in jener Nacht auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde und seine elf Söhne und zog über die Furt des Jabbok; und er nahm sie und führte sie über den Fluss und führte hinüber, was er hatte. Und Jakob blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. Und als er sah, dass er ihn nicht überwältigen konnte, berührte er sein Hüftgelenk; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt, während er mit ihm rang. Da sagte er: Lass mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen! Er aber sagte: Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du hast mich vorher gesegnet. Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Er sagte: Jakob. Da sprach er: Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt. Und Jakob fragte und sagte: Teile mir doch deinen Namen mit! Er aber sagte: Warum fragst du denn nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort. Und Jakob gab der Stätte den Namen Pnuël; denn ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden! Und die Sonne ging ihm auf, als er an Pnuël vorüberkam; und er hinkte an seiner Hüfte. Darum essen die Söhne Israel bis zum heutigen Tag nicht den Hüftmuskel, der über dem Hüftgelenk ist, weil er das Hüftgelenk Jakobs, den Hüftmuskel, berührt hat.
Ein Kampf, der in dieser Form nie wieder stattgefunden hat. Auf der einen Seite Jakob und auf der ein Mann, dessen Identität wir erst später erfahren. Denn am Anfang wird er nur als “ein Mann” bezeichnet. Dieser Mann könnte auch ein Abgesandter Esaus sein, der ihn bereits jetzt schon vernichten wollte. Denn er uns sein Bruder hatten schon lange eine Rechnung offen.
Jakob, Fersenhalter, Betrüger. Bereits in der Schwangerschaft Rebekkas und der Geburt war deutlich zu sehen, welche Rivalität zwischen Jakob und seinem Bruder Esau herrschen wird. Bereits im Mutterleib entbrannte der Kampf zwischen den zwei so verschiedenen Brüdern. Der eine ein jagdkundiger Mann, der andere ein gesitteter Mann, der bei den Zelten blieb. Und von Anfang an ist es Jakob, dem zweitgeborenen, dem Gott die Verheißung des Segens gibt. Es herrscht eine Rivalität, die sogar soweit geht, dass Jakob seinen Bruder um das Erstgeburtsrecht betrügt und Esau Jakob umbringen möchte. Jakob muss fliehen, die Familie ist zerrissen.
Doch hier hört Jakobs Geschichte nicht auf. Er komm zu Laban, seinem Onkel, nach Haran. Dort verliebt er sich unsterblich in dessen Tochter Rahel und möchte sie heiraten. Da er selbst kein Geld dabei hat, bietet ihm Laban an für seine Tochter zur arbeiten. Und Jakob nimmt dieses Angebot an. Ganze sieben Jahre arbeitet er hart für seinen Onkel, bis der Tag kommt, an dem er seine geliebte Rahel heiraten darf.
Stellt euch folgendes Szenario vor: Ihr feiert Hochzeit. Die Nacht ist warm, alle freuen sich und feiern ausgelassen. Ihr könnt es kaum abwarten mit der Liebe eures Lebens den Rest eures Lebens zu verbringen. Ihr verbringt eine wunderschöne Nacht miteinander. Am folgenden Morgen seid ihr rundum glücklich. Es gibt nichts, was euch die gute Laune verderben könnte. Ihr dreht euch zu eurem Partner um, streicht das Haar aus dem Gesicht und es ist eine andere Person in eurem Bett. Nicht die Liebe eures Lebens.
Genau das passiert Jakob. Er bekommt zu spüren, was er Esau vor so vielen Jahren angetan hatte. Ein folgenschwerer Betrug. Er spricht Laban darauf an. Aber da er schon die Hochzeitsnacht mit der Schwester Rahels, Lea, vollzogen hatte, gibt es keinen Weg heraus aus dieser Situation. Laban bietet ihm an für Rahel weitere sieben Jahre zu arbeiten, was Jakob auch tut. Aber hier fangen die Spannungen zwischen Jakob und Laban erst richtig an. Während Jakob nämlich für Laban arbeitet, verweigert dieser ihm wieder sich selber einen guten Besitz aufzubauen. Und wieder sieht sich Jakob genötigt, auf eine List zurückzugreifen. Und so wird er immer reicher. Die Söhne Labans sehen die starken Schafsherden Jakobs und sind der Meinung, dass Jakob das für sich genommen hat, was eigentlich ihrem Vater Laban gehörte. Jakob bemerkt die Veränderung in ihnen und auch in Laban. Die Spannungen sind so groß geworden, dass er weg von Laban zurück in seine Heimat will. Zurück in die Heimat, wo sein Bruder Esau auf ihn wartet. Jakob packt also seine Familie und seine Habe zusammen und flieht zum zweiten Mal. Laban bekommt die Flucht mit und folgt ihm nach. Er konfrontiert Jakob. Sie schaffen es ihren Konflikt beizulegen, aber sie gehen getrennte Wege. Aber nun steht Jakob die größte Konfrontation seines Lebens bevor. Die Begegnung mit seinem Bruder Esau. Esau, den er betrogen hatte, der ihn töten wollte. Er versucht ihn mit Geschenken zu besänftigen. Um den größten Schaden zu vermeiden, trennt er sein Lager auf und behält seine Familie im hinteren Teil. Und in dieser Angst und Aufruhr seiner Gefühle zieht er sich zurück. Er braucht Ruhe zum Nachdenken und Ruhe um sich auf den kommenden Tag vorzubereiten.
In dieser Ruhe wird er angegriffen. Ein unbekannter Mann kommt und fängt an mit ihm zu kämpfen. Bis die Morgenröte am Horizont zu sehen ist. Aber Jakob gibt nicht auf. Für ihn ist es ein Ringen um Leben und Tod. Denn diese Nacht entscheidet, wie sein Leben weitergehen wird. Beide geben ihr ganzen, doch niemand hat die Oberhand, bis der Mann Jakobs Hüfte anrührt. Jakob kann nicht mehr, er hat keine Chance. Aber Jakob gibt nicht auf. Der Unbekannt bittet ihn, ja fleht ihn schon fast an, ihn gehen zu lassen. Aber Jakob gibt nicht auf. Er möchte diesen Segen haben, die Zusicherung, dass er nicht allein in der Begegnung mit Esau ist.
Und nun wird klar, mit wem Jakob es hier zu tun hat. Denn der Mann ändert Jakobs Namen in Israel um. Israel - der Streiter Gottes. Israel: der Mann, der mit Gott und Menschen gekämpft und gesiegt hat. Den Kampf mit Menschen haben wir schon näher betrachtet. Aber hier kämpft Jakob gegen Gott persönlich und siegt. Aber Gott kämpft nicht einfach nur gegen Jakob. Gott reizt Jakob, fordert ihn heraus, lässt sich voll auf diese Kampf ein, weckt seinen Kampfgeist und seinen Willen nicht aufzugeben. Hätte Gott gewollte, dass der Kampf schnell vorüber sein sollte, hätte er ihn mit einem Fingerschnipps enden können. Dann wäre er vermutlich so schnell wie der Boxkampf am 23. September 1946 zwischen Raphael Walton und Aurele “Al” Couture. Walten erhielt direkt nach dem Gong einen linken Haken und fiel zu Boden. Der Kampf dauerte zehneinhalb Sekunden durch K.O. - einschließlich der zehn Sekunden Auszählzeit. Doch Gott lässt sich voll auf diesen Kampf ein. Und Jakob gibt nicht auf. Er hält ihn solange fest, bis Gott ihm den Segen gibt. Jakob erhält den Segen Gottes und nennt den Ort Pnuel: Angesicht Gottes. Der Ort, an dem er Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat und seine Seele gerettet wurde.
Wie ist es aber in unserem eigenen Leben? Wo erleben wir Kämpfe? Kämpfe mit Gott und mit Menschen. Vielleicht in persönlichen Beziehungen, auf der Arbeit oder auch wenn es um eigene Schwächen geht. Gott ist bereit in den Ring mit uns zu steigen, aber sind wir es auch?
Häufig stellen wir uns die Frage: Dürfen wir mit Gott ringen? Ist es nicht ein Infragestellen seiner Autorität? Er ist doch dieser mächtige Gott, der Schöpfer dieser Erde, der Herrscher über allem. Aber in der Bibel wird klar, dass der Mensch mit Gott ringen darf, und das nicht nur bei Jakob. Jeder Mensch hatte irgendwo Kämpfe mit Gott auszutragen, wie Abraham, Josef, Daniel, Paulus. Auch wenn diese nicht immer buchstäbliche Kämpfe waren.
Die Bibel zeigt uns aber auch, wie offen und ehrlich der Mensch mit Gott sein darf. So steht in Psalm 77,1-9
Dem Chorleiter. Nach Jedutun. Von Asaf. Ein Psalm.
Meine Stimme ruft zu Gott, und ich will schreien! Meine Stimme ruft zu Gott, dass er mir Gehör schenke.
Am Tag meiner Bedrängnis suchte ich den Herrn. Meine Hand war des Nachts ausgestreckt und ließ nicht ab. Meine Seele weigerte sich, getröstet zu werden.
Denke ich an Gott, so stöhne ich. Sinne ich nach, so verzagt mein Geist.
Du hieltest offen die Lider meiner Augen; ich war voll Unruhe und redete nicht.
Ich durchdachte die Tage vor alters. Der Jahre der Urzeit gedachte ich.
Ich sann nach des Nachts; in meinem Herzen überlegte ich, und es forschte mein Geist.
Wird der Herr auf ewig verwerfen und künftig keine Gunst mehr erweisen?
Ist seine Gnade für immer zu Ende? Hat das Wort aufgehört von Generation zu Generation?
oder auch in Psalm 86,1-7
Ein Gebet. Von David.
Neige, HERR, dein Ohr, erhöre mich! Denn ich bin elend und arm.
Bewahre mein Leben, denn ich bin getreu! Rette deinen Knecht, der auf dich vertraut! Du bist doch mein Gott!
Sei mir gnädig, Herr! Denn zu dir rufe ich den ganzen Tag.
Erfreue die Seele deines Knechtes! Denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele.
Denn du, Herr, bist gut und zum Vergeben bereit, groß an Gnade gegen alle, die dich anrufen.
HERR, höre mein Gebet! Horche auf die Stimme meines Flehens!
Am Tag meiner Bedrängnis rufe ich dich an, denn du erhörst mich.
Diese Männer Gottes waren brutal ehrlich. Sie haben kein Blatt vor den Mund genommen.
Wir dürfen auch mit Gott ganz offen und ehrlich sein. Wir dürfen ihm alles sagen. Wir dürfen mit ihm in den Ring steigen und um seinen Segen kämpfen, seine Verheißungen in Anspruch nehmen. Es ist vielleicht nicht immer leicht, so ehrlich zu sein, und es kann auch schmerzhaft sein, wenn wir uns verändern. Aber wir wissen bereits, dass wir bereits den Sieg errungen haben. Wir wissen, dass wir durch den Tod Jesu Christi unsere Sünden getilgt wurden und wir wieder mit Gott versöhnt sind. Wir wissen, dass er, wenn wir unser Leben mit ihm führen, von Gott verändert und ihm immer ähnlicher werden. Wir wissen, dass wir, weil Jesus von den Toten auferstanden ist, wir auch wieder auferstehen werden und mit Gott auf der Neuen Erde in Ewigkeit leben werden. Denn das ist das, was uns die Bibel sagt. Und dies ist eine Hoffnung, die uns niemand nehmen kann.
Doch wir sehen heute auch, dass es in unserem Leben nicht immer einfach ist. Wir haben unsere eigenen Kämpfe mit Menschen und auch manchmal mit Gott auszutragen. Aber wir wissen auch, dass Gott in diesen Kämpfen bei uns ist. Er will nicht, dass wir gegen, sondern mit im Kämpfen. Mit ihm kämpfen. Ein kleines Wort, dass aber alles verändert. Es verändert die ganze Situation. Denn wenn Gott für uns ist, wer kann da gegen uns sein? Mit Gott an unserer Seite haben wir bereits die Siege errungen.
Von Jakob wissen wir, dass er auch nach dieser Nacht und dem Ringen mit Gott großen Respekt vor der Begegnung mit Esau hatte. Aber Gott war bei ihm. Er gab ihm die Zusicherung des Segens. Und Jakob versöhnte sich schlussendlich mit Esau und lebte wieder in seiner Heimat.
Am 14.12.1894 steige Andy Bowen ein weiteres mal in den Boxring. Aber bereits in der 18. Runde wurde er von George Lavigne mit der Rechten niedergeschlagen. Er schlug mit dem Kopf auf und starb am nächsten Morgen an den Folgen dieses Kampfes.
Von Jacke Burke wissen wir, dass er nach dem Kampf im Jahr 1893 boxerisch nicht mehr so aktiv war. Er starb im Jahr 1942.
Zwei Kämpfer, die Ausdauer zeigten. Aber doch nicht den Sieg errungen haben.
Wir sind auch Kämpfer. Wir ringen mit Menschen und mit Gott. Also lasst uns auch Ausdauer zeigen. Lasst uns festhalten an Gott und ihn nicht loslassen, bis er uns den Segen gegeben hat. Durch ihn haben wir den Sieg schon längt errungen.
