Daniel in der Löwengrube oder Gottes Wege aus dem Dilemma

Daniel  •  Sermon  •  Submitted
0 ratings
· 84 views
Notes
Transcript

Einleitung

Regelmäßige Hörer meiner Predigten wissen, dass ich meist mit einer Geschichte starte. Mache ich heute auch. Ich lese den Bibeltext (!). Eine passende Übertragung habe ich mir für den Schluss aufgehoben.
Daniel 6,1-29.
Die Überschrift der Predigt von heute: “Gottes Wege aus dem Dilemma

1. Daniels Dilemma: Dem Chef oder dem Herrn treu sein?

Damit wir uns die Situation etwas besser vorstellen können: Was schätzt ihr wie alt Daniel zum Zeitpunkt von Daniel 6 gewesen ist?

(Daniel war schon über 80 Jahre alt)

Man kann das auf ein paar Jahre genau ausrechnen:
Daniel 1,1 LU17
Im dritten Jahr der Herrschaft Jojakims, des Königs von Juda, zog Nebukadnezar, der König von Babel, vor Jerusalem und belagerte es.
Jojakim regierte von 609 bis 598 v.Chr und war einer der letzten Könige Judas bevor die Babylonier das Heft in die Hand nahmen. Damals war Daniel ein junger Mann oder Teenager. Schätzen wir ihn mal auf 15 Jahre.
Tafelbild:
Teenager + 15
Daniel nach Babel verschleppt 609 (3. Jahr) -> 607
Wechsel Babel - Medien Darius -> -539
Summe = 83
Daniel 6,1 LU17
Und Darius aus Medien empfing das Reich, als er zweiundsechzig Jahre alt war.
Der Wechsel von den Babyloniern auf die Perser war 539 v.Chr.
d.h. wir rechnen 607 minus 539 plus 15 macht ungefähr 83!!!
Daniel war also durchaus kein junger Hüpfer mehr wie er auf den meisten Bildern dargestellt wird, sondern hätte bei uns schon viele Jahre seine Rente genossen! Aber:

Daniel diente immer noch treu - sogar seinem (neuen) Chef!

Es ist wirklich erstaunlich: Daniel tat treu seinen Staatsdienst - über 68 Jahre. Und das sogar über den fundamentalen Regierungswechsel hinweg.
Stellt euch mal vor, der Scholz hätte die langjährige Büroleiterin von Merkel übernommen.
Ich habe mal nachgezählt: Ich selber hatte bei meinem Arbeitgeber in 27 Jahren bereits 13 Abteilungsleiter. Der nächste Wechsel müsste also in Kürze anstehen. Jedes Mal muss man neu sich und seine Aufgabe präsentieren. Karrierefördernd war das im Zweifel nicht.
Deshalb habe ich keine Ahnung, wie Daniel es so schnell geschafft hat, eine so gute Reputation einzusammeln. Darius kannte ihn schließlich gar nicht.
Er setzte ihn aber über ein Drittel der 120 Statthalter und plante, ihn noch weiter zu befördern.
Seine Kollegen aus dem Kreise dieser Statthalter hatten damit natürlich ein Problem. Und deshalb suchten (!) sie nach einer falschen Reisekosten- oder Gleitzeitabrechnung. Sie drehten sicherlich jeden Stein in seinem Leben um, aber

Daniels Vita hielt jeder Überprüfung stand

Wir hatten im Predigerkreis über Daniel das Leitthema “Treue” gesetzt und das hat Daniel gelebt. Treue auch zum Arbeitgeber merken wir hier. Paulus fordert uns auf, es genauso zu tun:
Philipper 2,14–15 NeÜ
Tut alles ohne Murren und Diskussion, damit euch niemand Vorwürfe machen kann. Als untadelige Kinder Gottes sollt ihr wie Himmelslichter mitten unter den verdrehten und verdorbenen Menschen dieser Welt leuchten
… das hat Daniel gelebt - im Gegensatz zu den Statthaltern. Und eben weil man - trotz intensiver Untersuchung (Dan 6,5)! - nichts fand, mussten sich die neidischen Kollegen etwas anderes einfallen lassen.
Für uns können wir den Merksatz mitnehmen: “Glaube handelt glaubwürdig.”
Jetzt beratschlagten die Männer und wollten Daniel gerade seine Treue zum Fallstrick machen: Seine Treue zum Gesetz, seinen gelebten Glauben.

Daniel gerät in ein Dilemma

Ihr Lösungsansatz war also eine teuflische Zwickmühle - auch Dilemma genannt.
Das Wort Dilemma kommt aus dem Griechischen.
* Di = Zwei
* Lemma=Grundannahme, Prämisse.
Alternative: Zwickmühle
Was war das Dilemma?
Sie zwangen Daniel, sich zwischen Gott und seinem Arbeitgeber zu entscheiden:
Mit einer Mischung aus Lüge und Schmeichelei zogen seine Widersacher Darius auf ihre Seite:
Lüge, weil sie sagten “alle” würden den königlichen Befehl befürworten - Daniel, einer der höchsten und geschätzten Beamten, sicherlich nicht (Dan 6,8).
Schmeichelei, weil sie durch das Gebetsverbot für 30 Tage Darius als einzigen Vermittler für Gott einsetzten.
Wie ging Daniel mit diesem Dilemma um?

Daniel entscheidet sich für Gott

Nun, Daniel kannte zwar die Apostelgeschichte noch nicht, aber er entschied sich so wie in Apg 5,29 steht:
Apostelgeschichte 5,29 (LU17)
Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Er rannte nicht in Panik versetzt zum König, um das Gesetz durch Einsatz seines persönlichen Leumunds doch noch umzubiegen, sondern tat: … Nichts.
Er handelte so, wie er immer handelte. Sein Haus war sicherlich groß, die Angestellten zahlreich. Er war schließlich ein langjähriger Spitzenbeamter. Da hilft kein Fenster schließen und in den Keller verkriechen. Sie bekommen sowieso alles mit.
Also betete er wie immer:
Auf Knien brachte er seinem Gott Lob, Dank und Fürbitte.
Drei Mal am Tag.
Mit offenem Fenster nach Jerusalem:
und zwar so - wie er es immer tat.
nebenbei: Das machen gläubige Juden außerhalb Jerusalems bis heute gemäß 1Kö 8,48.
Wie sah Jerusalem damals aus? Zerstört! Esra sollte erst 20 Jahre später die erste Heimkehrerwelle auslösen.
Aus Daniels Ausrichtung im Gebet spricht die Hoffnung, dass Gott hilft!

Wir wollen von Daniel gute Gewohnheiten lernen!

Nein: ICH will von Daniels guten Gewohnheiten lernen!
Das ist kein Zufall, dass Daniel sein geistliches Gebetsleben nicht änderte. Es war über 82 Jahre lang sein Vorsatz und eingeübt, ein Gott gefälliges Leben zu führen. Schon im ersten Kapitel konnten wir nachlesen:
Daniel 1,8 (LU17)
Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, dass er sich … nicht unrein machen wollte...
Selbstverständlich wollen wir bewusst vor Gott treten, aber wir sehen bei Daniel auch, dass eine Routine und gute Gewohnheit ebenfalls sehr hilfreich sein kann.
Regelmäßig
Regelmäßig loben, danken, fürbitten
Regelmäßig die Bibel studieren
Regelmäßig Gemeinschaft suchen (w. Koinonia: gemeinsam zu Christus gehören, wie in einer geschäftlichen Partnerschaft)
Regelmäßig Abendmahl teilen.
Ähnlichkeiten mit Apostelgeschichte 2,42 sind nicht zufällig und durchaus beabsichtigt.
Das erscheint uns vielleicht abgedroschen, aber leben wir diese Treue wirklich? Sind diese geistlichen Lebenszeichen auch gute Gewohnheiten in deinem Leben?
Vieles können wir nicht sehen (Gebet, Bibellese), aber die Anzahl der Kelche am Sonntagmorgen lässt mich manchmal daran zweifeln...
Wir wollen von Daniels guten Gewohnheiten lernen und sie auch unseren Kindern lehren. Über Gewohnheiten diskutiert man nicht mehr. Daniel hat das auch nicht gemacht.
Die Überschrift der heutigen Predigt heißt “Gottes Wege aus dem Dilemma”.
Beim ersten Dilemma Daniels war das noch einfach:
Die Wahl zwischen der Treue zum Chef und zum Herrn löst Daniel im Zweifelsfall (und nur dann!) nach Apg 5,29: Wir wollen Gott zuerst gehorchen. Sonst hält Daniel beiden die Stange!
Aber unsere Geschichte geht weiter.
Daniels vermeintliche Konkurrenten brachten auch Darius in eine Zwickmühle. Ob ihnen das vollumfänglich bewusst war, wissen wir nicht. Aber wir wissen heute, dass sie sich damit keinen Gefallen getan haben.
Der zweite Punkt heißt:

2. Darius’ Dilemma: Tun was ich will oder Tun was ich mir selbst auferlegt habe?

Dan 6,12 beschreibt plastisch wie jene Männer “eilends kamen” - wörtlich “als Gruppe zusammen ziehen” - und unseren Daniel - oh Wunder! - beim Gebet fanden: Die Falle für Daniel hat zugeschnappt.
Dann ziehen sie weiter zum König, bauen sich vor ihm auf (eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl!) und erinnern Darius dezent an
sein Gebot und
den Umstand, dass ein persisches Gesetz nicht mehr aufzuheben ist
Nebenbei: Esthers Geschichte spielt sich ungefähr im gleichen zeitlichen Rahmen ab und nimmt auf dieses Gesetz ebenfalls unguten Bezug Est 1,19;8,8
Offensichtlich ahnten sie, dass Darius Daniel über die Maßen schätzte und die Gefahr bestand, dass Darius einen Rückzieher macht. Vers 15 beschreibt seine Gefühlslage eindeutig:
Daniel 6,15 NeÜ
Als der König das hörte, wurde er sehr traurig. Den ganzen Tag über unternahm er alle Anstrengungen, um Daniel zu retten.
Keine Ahnung, was Darius den Tag über noch angestellt hat. Vielleicht die besten Rechtsanwälte konsultieren, um noch eine Lücke im Gesetz zu finden. Viele Möglichkeiten hatte er nicht mehr.
So befand sich Darius ebenfalls in einem Dilemma:
Er wollte Daniel befördern, weil er - im Gegensatz zu seinen Widersachern - vertrauenswürdig und treu war.
Aber sein von ihm selbst auferlegtes Gesetz hinderte ihn aber daran, ja sollte Daniel den sicheren Tod bringen.
Mich erinnerte das an
Römer 7,19 LU17
Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
Ja, ich will meinem Chef UND meinem Herrn treu sein.
Ja, ich will gute Gewohnheiten pflegen.
Ja, ich will regelmäßig Bibel lesen, beten, in die Gemeinde kommen, am Abendmahl teilnehmen.
Ja, ich will … meinen Ehepartner lieben, obwohl die schlechteren Zeiten vielleicht schon begonnen haben, wo ich nicht nur nehmen, sondern auch geben muss
Ja, ich will meinem Herrn dienen mit meiner ganzen Kraft, aber nur abends nach der Tagesschau, wo ich schon so müde bin.
Ja, ich finde auch noch ein paar Gesetze, die ich mir selber auferlegen kann und denen in meiner Gemeinde sowieso.
Eigentlich weiß ich ja, dass das alles tolle Sachen sind und ich will das ja auch, aber da ist so ein blödes Gesetz in meinem Körper, dass mich immer wieder in eine andere Richtung zieht.
Das Darius-Dilemma steckt auch in uns!
Erinnert ihr euch noch an die Predigt zu Kol 3?
Die alte und die neue Natur?
Die vier Mensch-ärgere-dich-nicht-Männchen auf der Folie?
Der sündlose Mensch im Paradies
Der gefallene Mensch nach dem Sündenfall
Der wiedergeborene Mensch in seiner geistlichen Schizophrenie: Will, aber kann nicht! -> Das ist unser Darius hier.
Der erlöste Mensch in Ewigkeit -> Das ist Daniel, der hier ohne Fehl und Makel erscheint. Sein Daniel-Dilemma scheinbar problemlos löst, weil er Gott vertraut und ihm die Konsequenzen überlässt.
Darius scheitert an seinem Darius-Dilemma, in dass ihn seine eigenen Unterstellten getrieben haben.
Genauso wie wir letztlich scheitern, wenn wir aus eigener Kraft “ich will” zu seinem Gesetz sagen.
Darius kann nicht helfen:
Er lässt Daniel in die Löwengrube werfen,
versiegelt die Öffnung mit seinem eigenen Ring und mit dem seiner Mächtigen. Wer traut da wem nicht?
Während 122 Fürsten und Oberfürsten jubelnd von dannen ziehen,
geht Darius in seinen goldenen Käfig, auch Palast genannt,
verzichtet auf jedes Essen,
schickt die Band wieder weg (engl. Übersetzung)
verbringt die Nacht schlaflos.
Darius ist an seinem Dilemma gescheitert. So wie wir es auch tun würden.
Und nun? Wir kommen zum 3. Punkt. Da gibt es noch einen dritten, “nicht ganz unwesentlichen” Player im Spiel: Gott!

3. (Gottes Dilemma: Den Menschen lieben oder Gerechtigkeit üben?)

Darius hat die Hoffnung nicht verloren:
Daniel 6,20 LU17
Früh am Morgen, als der Tag anbrach, stand der König auf und ging eilends zur Löwengrube.
Hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben? Er läuft zur Löwengrube.
Daniel 6,21 LU17
Und als er zur Grube kam, rief er Daniel mit angstvoller Stimme. Und der König sprach zu Daniel: Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, auch erretten können von den Löwen?
Bemerkenswert, wie Darius Daniel charakterisiert:
Darius beschreibt Daniel
er dient seinem Gott „ ohne Unterlass ”. In aller Treue.
Noch bemerkenswerter, wie Darius Gott beschreibt:
Darius beschreibt Gott
„lebendig” - wow. Was für eine Aussage von einem heidnischen König, der gerade selber auf den Schild gehoben wurde! Ein Gott, der sich nicht zwischen angestaubten Bibelseiten einfangen lässt.
„dein” Gott- ein “persönlicher” Gott - ein Gott, zu dem du eine Beziehung hast
ein Gott, der „erretten” kann - der also die Macht hat, Daniel aus der Löwengrube und dich aus dem Darius-Dilemma befreien kann
ein Gott, der retten kann und das „auch” schon bewiesen hat (“auch retten können”)
Genau dieser Gott hat was gemacht?

Ja, dieser Gott hat Daniel gerettet!

Und Daniel?
Ist es Ironie, Sarkasmus oder Evangelium, wenn der tot Geglaubte nach oben ruft?
Daniel 6,22 (LU17)
… Der König lebe ewig!
“Und ich auch!” mögen wir ergänzen. Gott HAT gerettet! Es ist wahr!

Gott hat Daniel gerettet, aber wie?

Daniel berichtet für die Lage (viel zu tiefenentspannt):
Daniel 6,23 (LU17)
Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten; ...
Gott hat seinen Engel gesandt. Wir können nur spekulieren, aber oft genug stand “der” Engel für den Menschensohn, Jesus Christus, selbst.
Gott rettete Daniel - und er rettete auch uns.
Und das erinnert mich wieder an die beiden Dilemmas:
Daniels Dilemma war: Dem Menschen / dem “Chef” treu sein oder Gott? -> Daniel entschied sich für Gott und überlies Gott die Konsequenzen seines treuen Handelns. Diesen Gedanken hatten wir in Daniel 3 schon mal. Und geben zu: Wir scheitern darin oft genug.
Darius’ Dilemma war: Setze ich mich für Daniel ein, den ich wertschätze, oder halte ich mich an das von mir selbst gegebene Gesetz?
Übersetzt für uns:
Tue ich das Gute, was ich will (Gott dienen), oder
das was ich muss (sündigen)?
Darius entschied sich für das Gesetz. Er scheiterte damit an seinem Dilemma, so wie alle unerlösten Menschen, die Gott durch eigene Kraft gefallen wollen.
Auch Gott stand in der Rettungsfrage vor einem Dilemma wie Darius und das ist die Überschrift für den 3. Punkt, die ich euch noch nicht verraten habe. Also

3. Gottes Dilemma: Den Menschen lieben oder Gerechtigkeit üben?

Gott ist Schöpfer aller Kreatur.
Gott hat deshalb alles Recht “dieser Welt”, d.h. seinen Geschöpfen Regeln und Gesetze aufzuerlegen.
Diese Gesetze bilden ab, wie sich Gott die Ebenbildlichkeit seiner Schöpfung “Mensch” vorstellt. Die Gesetze sind gut,
aber wir nicht! Seine Geschöpfe - wir! - halten uns nicht daran. (Das war das Darius-Dilemma). Wir scheitern, wenn wir versuchen über unsere Treue zu Gott einen Platz im Himmel zu ergattern.
Und Gott? Als gerechter Richter muss er uns verurteilen, aber er liebt uns! Das Darius-Dilemma ist ein Stück weit auch Gottes Dilemma!
Was soll er jetzt tun?
Tut er das, was wer will, den Menschen lieben und deshalb mit einer “Schwamm drüber”-Mentalität auch als Sünder annehmen oder
bleibt er sich selber treu und hält er das Gesetz, dass er selber aufgestellt hat?
1. Punkt Der geistliche Mensch (Daniel) entscheidet sich für Gott.
2. Punkt Der natürliche Mensch (Darius) versucht das Gesetz zu halten - und scheitert.
3. Punkt Und Gott? Was tat Gott, um Gerechtigkeit und Liebe zu bewahren? Was sagt unser Text? Was tat Gott?
Gott hat eine dritte Lösung aus dem Dilemma gefunden: Er ist selber ins Gericht gegangen.
Römer 8,3 (LU)
Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,
Er ist selber in die Löwengrube gestiegen, um den Löwen das Maul zuzuhalten. Er ist für dich und mich ans Kreuz gegangen! Gott hat sein Dilemma auf seine Weise gelöst. Preist den Herrn!
Amen.
“Nach dem Amen geht es weiter” (Royer) und es geht weiter. Ich hatte ja noch eine Geschichte versprochen.
Ich ende mit einem Erlebnisbericht, der zeigt:

Schluss: Gott wirkt auch noch heute

Bernhard Roeder erzählt: Damals arbeitete ich im Rudnik, südwestlich von Workuta. Zu unserer Brigade gehörten ein älterer und ein jüngerer Mann: Man nannte sie Weruschij - das sind um ihres Glaubens willen Verurteilte. Von ihnen ging ein starker Einfluss aus, so dass kein Lagerkommandant sie lange behalten wollte.
Die Beiden gingen sonntags nicht zur Arbeit; sie ließen sich schlagen und einsperren, sie hungerten, aber sie gingen nicht. Auch sonst hielten sie sich an Gottes Gebote mit großem Ernst. Und das ärgerte den Lagerkommandanten sehr, der ein junger und rabiater Mitarbeiter des Geheimdienstes war. Er wollte die beiden loswerden.
Als die Weruschij am nächsten Sonntag wieder nicht zur Arbeit gegangen waren, erschien plötzlich der Kommandant auf dem Bauplatz und gab ihnen den Befehl, sofort hinaus in die Tundra zu gehen. Wir alle wussten, was das bedeutete, auch sie wussten es. Aber sie gingen ganz ruhig durch das Tor hinaus, der Ältere voran. Ihre Mützen hatten sie abgenommen und trugen sie in den gefalteten Händen. Sie gingen ihrem jetzt nicht mehr unbekannten Schicksal betend entgegen.
Kaum waren sie etwa einen Steinwurf weit gegangen, hetzten sie sechs Bluthunde hinter ihnen her. Man wollte die standhaften Bekenner zerfleischen lassen. Als die beiden Männer das Schnaufen und Fletschen der Bluthunde vernahmen, drehten sie sich entsetzt um. Und wieder richtete sich ihr Blick zum Himmel. Bei dem schrecklichen Gejaule der Hunde konnten wir nicht hören, ob die Männer beteten oder sangen.
Schon hatten die Hunde die Männer erreicht, und es schien, als wollten sich alle auf sie stürzen. Aber plötzlich verharrten sie und liefen dann verwirrt um die beiden herum. Das grässliche Jaulen ging in ein unsicheres Winseln über, schließlich in ein freundliches Wimmern. Die Hunde krochen zu den Füßen der Männer hin und leckten deren Schuhe, als seien sie ihre Herren. Eine unsichtbare Gewalt hatte sie gezähmt. Kurz zuvor hatten wir die Tapferen schon verloren geglaubt. Jetzt standen wir gebannt wie vor einem Wunder. Die Tschekisten (Geheimdienst) bekreuzigten sich. Der Kommandant wurde bleich und verließ eilig die Baustelle. Ich aber begriff in diesem Augenblick, dass Gott seinen Engelschutz um die treuen Bekenner gestellt hatte. Gott kann Wunder tun - das konnte ich nun glauben.
“Gott kann.” heute noch aus der Löwengrube retten. Aber er muss nicht.
Aber: Gott hat deine und mein Dilemma ein für alle Male gelöst! Er hat den Teufel besiegt, der umhergeht wie ein Löwe und sucht, wen er verschlinge (1Petr 5,8).
(Diesem Gott wollen wir treu dienen!)
Ich weiß nicht, ob Darius diesen Gott wirklich kennen gelernt und angenommen hat, aber das, was er nach der Rettung Darius über ihn erzählt, stimmt: Er ist
ein Gott, dem du vertrauen kannst (Dan 6,24),
ein Gott ist, der ewig bleibt und nicht nur so tut, wie es alle Darius wünschten: “Der König lebe ewig”. (Dan 6,27)
ein Gott, dessen Reich unvergänglich ist,
ein Gott, dessen Macht kein Ende hat,
ein Gott, der die Naturgesetze dieser Welt außer Kraft setzen kann. Damals wie heute.
ein Gott, der die geistlichen Gesetze, die er selber aufgestellt hat, nicht außer Kraft setzte, sondern für uns erfüllte.
Diesen Gott, der für uns dem Löwen das Maul zuhält, den wollen wir loben, anbeten und dienen! In aller Treue
Amen.

Fragen für den Austausch:

Wo ist meine Treue gefordert?
Wo haben wir schon Gottes Treue erlebt?
Related Media
See more
Related Sermons
See more
Earn an accredited degree from Redemption Seminary with Logos.